Was ich alles erlebt und überwunden habe
Dies hier ist ein Blick hinter die Kulissen. Diejenigen, die mich als ADHS-Coach schon länger kennen, werden jetzt vielleicht sehr überrascht sein. Aber ja, das hat hinter den Kulissen alles stattgefunden. Und an dieser Stelle ist es Zeit, transparent zu sein. Ich möchte damit ermutigen, an sich selbst zu arbeiten, dem persönlichen Glück nachzujagen, alle nötigen Anstrengungen in Kauf zu nehmen, Therapie zu machen, etc. Solange, bis es einem besser geht. Es ist möglich, Ballast abzuwerfen und frei zu werden. Auch von langfristigen, chronischen Belastungen und Krankheiten.
Ich tue mich schwer, Fließtext zu schreiben und Geschichten zu verfassen. Ich kann besser Listen erstellen. Das ist wohl ein Aspekt meiner autistischen Veranlagung. Daher kommt hier keine Story, sondern eine Liste mit Themen und Problemen, mit denen ich im Laufe meines bisherigen Lebens auf meinem Weg raus aus Drama und Trauma hin zu mir selbst gekämpft habe. Die meisten habe ich erfolgreich mit viel Arbeit hinter mich gebracht und überwunden, an manchen Themen bin ich immer noch dran.
Diese Liste mag sich recht sachlich und emotionslos lesen, das ist sie aber nicht. Da stecken so viele Emotionen, Tränen, Leid, Schmerz, Verzweiflung und mehr drin, da gäbe es keine Worte für. Aber da dies eine Liste wird und keine Story, lasse ich die Emotionen weg.
Das habe ich hinter mich gebracht bzw. überwunden
- Eine Kindheit, in der ich mich unverstanden, kritisiert, abgewertet, abgelehnt, allein gelassen, abgewiesen, ungewollt, emotional überfordert, abgrundtief verunsichert, panisch ängstlich, hilflos und ohnmächtig gefühlt habe, sowohl in der Familie als auch im sozialen Umfeld. Wie ich im Alter von 47 Jahren durch meine Psychotherapeutin gelernt habe, nennt man das, was ich erlebt habe, "emotionale Vernachlässigung" und "Bindungstraumatisierung". Mit allen sich dadurch entwickelnden Folgeproblemen, auch genannt K-PTBS (Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung), die sich durch das gesamte spätere Leben ziehen und alle Lebensbereiche massiv beeinträchtigen. So lange, bis man die Traumafolgen erkannt, bearbeitet und verarbeitet hat (was jahrzehntelang dauern kann).
- wiederkehrende Depressionen
- Dysthymie bis zu meinem 40. Lebensjahr (Dysthymie = die Unfähigkeit, Freude zu empfinden) - an dieser Stelle kommt nun doch ein kleiner emotionaler Kommentar: können Sie sich vorstellen, wie schwer das Leben ist ohne die Fähigkeit, Freude zu empfinden? Ich weiß nicht, wie oft ich lieber tot sein wollte, als so zu leben...
- generalisierte Angststörung
- Sozialphobie
- Ordnungs- und Zählzwänge
- toxische und sehr schädigende Beziehungen inkl. meiner eigenen dazugehörigen - ebenfalls ungesunden - Beziehungsmuster
- PTBS (nach dem Tod meines Ehemannes)
- chronischer Stress und Überforderung inkl. Stresskrankheiten wie Tinnitus, Allergien, Urtikaria, chronische Rücken- und Kopfschmerzen
- Co-Abhängigkeit
- tiefe Einsamkeit und das Gefühl, wie ein Luftballon einsam durchs Weltall zu schweben
- Dissoziation und Derealisation
- emotionale Flashbacks
- selbstverletzendes Verhalten
- Suizidalität
- jahrelange massive Albträume
- tiefe Selbstwertprobleme, Selbstunsicherheit und fehlendes Selbstvertrauen
Damit habe ich immer noch zu tun, es ist aber auf dem Weg der Besserung
Stand: Mai 2024
- Verarbeitung der Traumata
- Dysreguliertes Nervensystem (Hypervigilanz, Festhängen im Sympathikus-Modus)
- Schlafstörungen
- Erschöpfung (wenn man 45 Jahre lang "ums Überleben gekämpft" hat, dauert die Erholung dann doch etwas...)
- chronische Verdauungsstörungen
- Asthma
- emotionales Essen
- Probleme, gesunde, stabile und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen (desorganisierter Bindungsstil)
- Probleme, anderen Menschen und dem Leben zu vertrauen
- Ich sein und authentisch sein, als Autistin, als Hochbegabte, als Mensch mit einer schweren Geschichte
Ich bin zuversichtlich, dass ich auch diese Beeinträchtigungen und Beschwerden noch überwinden kann, bzw. dass sie sich noch weiter bessern werden und dass ich immer weiter hineinwachse in ein freies, authentisches und glückliches Leben. Denn das war immer mein innerer Antrieb, der mir geholfen hat, das alles zu bewältigen und zu verarbeiten und immer wieder vom Boden aufzustehen: ich habe in mir immer den Gedanken gehabt "das kann es nicht gewesen sein! Es muss möglich sein, dass es mir besser geht und ich glücklich sein kann!"
Update: Dezember 2024
Ebenfalls überwunden bzw. abgeschlossen:
- Verarbeitung der Traumata
- emotionales Essen
Schon deutlich besser geworden:
- Schlafstörungen
- Erschöpfung
- Desorgansierter Bindungsstil, ambivalentes Beziehungsverhalten, Misstrauen und Angst in Beziehungen und der Welt gegenüber
- was mich noch bis Anfang des Jahres getriggert hat, triggert mich jetzt nicht mehr, nur noch sehr selten emotionale Flashbacks
Der Rest ist weiterhin in Arbeit. Vor allem die Heilung auf körperlicher Ebene dauert noch. Mein Körper war 47 Jahre lang im Hochstress und im survival mode eingerastet. Das hat seine Folgen hinterlassen im Nervensystem und in den Zellen. Aber hier bin ich weiter dran. Ich glaube daran, dass ich die Schlafstörungen, die Verdauungsstörungen und das Asthma noch loswerden kann, wenn mein Nervensystem begriffen hat, dass ich nicht mehr in Gefahr bin und wenn der Körper sich regeneriert hat.
Oh, liebe Birgit, ich danke dir für deine Offenheit, dass du dich mit all dem zeigst – und dabei den Fokus und deinen Prozess der Heilung so klar halten kannst. Es ist so sehr ermutigend! Danke dir, Gerhild